Die Preise beim 27. f&r

 

50 Filme liefen im Wettbewerb, die am 04. und 05. Februar von über 1000 Besuchern in der Muffathalle gesehen wurden. Mitglieder der Jury waren Verena Weigand von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Klaus Schwarzer vom Stadtjugendamt München, Stefanie Reichelt vom Kulturreferat München sowie Dr. Ida Pöttinger und Chris Dillig vom JFF – Institut für Medienpädagogik. Die jugendlichen Vertreter der Jury waren Nadine Fuchs und Benny Steierer.

Scuola Diaz

Wie prägend die eigenen Erfahrungen doch sind, was sie im Kopf verändern und inwieweit sie zu einer sozialen und politischen Überzeugung beitragen können, zeigt der Film Scuola Diaz ausgesprochen deutlich. In der filmischen Arbeit überzeugen die authentischen Charaktere mit schauspielerischer Professionalität. Auch die technische und formale Umsetzung ist in dem Dokudrama hervorzuheben. Die Jury war begeistert von der Wirkung beider Genres, Dokumentation und Spielfilm. In dieser Kombination bewahrt der Film vor allem Glaubwürdigkeit und ist so gut nachvollziehbar. Wie in nur wenigen Minuten die Hintergründe des G8 Gipfels in Genua 2001 erzählt werden, ist sicherlich auch der guten Bildmontage sowie den inhaltsreichen, klaren aber dennoch reduzierten Dialogen zu verdanken. Scuola Diaz ist eine Hommage an den sozialen Idealismus, ohne eine politische Meinung aufzudrängen; und mittendrin vielleicht auch eine kleine Liebesgeschichte. Absolut preiswürdig! Herzlichen Glückwunsch!

Requiem für eine Krämerseele

Der Film „Requiem für eine Krämerseele“ von Matthias Koßmehl beeindruckt durch seine Heimatfilmatmosphäre: Stil 50er Jahre auf dem Land. Jedenfalls sprechen die gut gewählten Requisiten, die Typen und die stillebenartigen Bildausschnitte dafür. Dazu steht in krassem Gegensatz die süßlich, charmante Callcenterstimme, die letzten Endes über Leben und Tod entscheidet. Der wiederholte Blick der Kamera
auf die alte Pendeluhr verrät, wie kurz die Zeit dazwischen sein kann. Die Story ist kurz, aber komplex und lässt mehrere Deutungen zu. Eine davon wäre: Wir leben in einer Welt von unverbindlicher, geradezu gefährlicher Freundlichkeit. Eine kleine Entschuldigung soll konsequenzenreiche Irrtümer vergessen machen.
Zwar ist die Bezeichnung Krämerseele eigentlich eine Umschreibung für kleinliche, geizige und egoistische Menschen. Aber weil ihm die Raatschkateln, der Boandlkramer und die Telefontussi so übel mitgespielt haben, tut einem am Ende der Kramer doch richtig leid, egal was er vorher verbockt haben mag.

Servus Anderl

„Servus Anderl“ ist eine derbe bayerische Komödie in der Tradition von „Wer früher stirbt, ist länger tot“, Immer Ärger mit Harry“ und „Trio Infernal“. Temporeiche Dialoge in ungeschöntem Dialekt, schneller Wortwitz und absurde Situationen reizen zum Lachen und Staunen. Staunen auch darüber, dass an einem bayerischen Gymnasium eine so kompromisslose und knallige Filmarbeit entstehen konnte. Nicht zuletzt die guten schauspielerischen Leistungen – vor allem der Mädchen – trösten über einige technische Schwächen hinweg. Dass auch die selbstironische
Schlusspointe funktioniert, zeigt sich daran, dass die Jury diesen Preis vergeben hat!

Ich halt dich fest

Die authentische Geschichte über Verliebt sein und Freundschaft beschäftigt sich sowohl mit Fragen: „Was und wann will und soll ich?“ als auch mit dem Thema Bewährung von Freundinnenfreundschaft und vermeintlicher Suizid-Phantasie. Trotz leichter Tonschwierigkeiten tragen die ausdrucksstarken Bildsequenzen und die gut agierenden Darstellerinnen zum Gelingen dieser bemerkenswerten Produktion bei. Herzlichen Glückwunsch!

Beinahe

Ein Tagtraum in 5 Minuten, der im Rahmen des Projektes „Cityzooms“ in bemerkenswert kurzer Produktionszeit entstanden ist. Die Protagonisten agieren in dieser dramaturgisch dichten Inszenierung mit einem überraschenden Ende im lokalen Umfeld eines Bahnhofs zwischen Hoffen und Melancholie, Traum und Wirklichkeit und Sein und Schein. Ohne Worte und auf die Sprache der Bilder vertrauend besticht der Film mit seiner gelungenen Licht- und Farbgestaltung, Kameraarbeit und Musikauswahl ebenso wie durch gute schauspielerische Leistungen.

 

Kinderfilmpreis

Die letzten 10 Minuten

Mädchen und Jungs können nun mal nichts miteinander anfangen, oder? Wer kennt sie nicht, diese Debatte, die besonders bei Projekttagen und Schullandheimaufenthalten oft ungeahnte Ausmaße annimmt. So geht es auch der Klasse im Film „Die letzten 10 Minuten“ der Schule zur Lernförderung an der Boschetsrieder Strasse. Anders als leider häufig im richtigen Leben gelingt es den jungen Protagonistinnen und Protagonisten aber, diese Vorurteile zu überwinden und am Schluss zu erkennen: Auch wenn einen „die anderen“ manchmal nerven – ohne sie ist's einfach nur halb so schön. Den Schülerinnen und Schülern ist dabei ein höchst unterhaltsamer, sehr konzentrierter und facettenreicher Film gelungen. Die Geschichte ist klar und stringent erzählt und gerade durch die Konzentration auf den überschaubaren Plot gelingt es der Klasse, das Thema „der Einzelne und die Gruppe“ immer wieder geschickt in Szene zu setzen. Kameraführung, Schnitt und Ton sind perfekt. Die Geschichte ist authentisch und alle Spielszenen entsprechen glaubwürdig der Lebenswelt der Kinder. Besonders beeindruckt hat uns die schauspielerische Leistung der jungen Darstellerinnen und Darsteller, die sich sowohl in den abwechslungs- und perspektivenreich gestalteten Gruppenszenen als auch in den Dialogen zeigt. Die Kinder sprechen und spielen mit großer Natürlichkeit und man merkt dem Film an, dass sie viel Mühe darauf verwendet haben, für jede und jeden eine passende Rolle zu finden. Wir gratulieren zum unseres Erachtens besten Kinderfilm von Flimmern und Rauschen 2010!

 

Sonderpreis „Alles öko“

 

What a Trip - mit 15 km/h bis ans Ende der Welt

Dass sich der junge Filmemacher Maximilian Semsch überhaupt auf diese beschwerliche und einsame Reise gemacht und sie tapfer durchgestanden hat, wäre alleine schon einen Preis Wert. Dass er es aber allein vollbracht hat, diese Reise als ein ästhetisches, witziges und gleichzeitig nachdenkliches Dokumentar-Roadmovie zu visualisieren, das kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Grundvoraussetzung dafür ist seine technisch saubere Arbeit mit der Kamera. Ton und Musikuntermalung sind sehr gelungen und schaffen es so, die klaren abwechslungsreichen Bilder, die tollen Landschaftsaufnahmen und die einprägsame Selbstinszenierungen zu untermalen. Was die Jury anfänglich als problematisch empfand, stellte sich im Laufe des Films als seine große Stärke heraus: Die Tatsache nämlich, dass sich der Protagonist immer selbst inszenieren musste, stets die Kamera selbst auf sich richten musste. Anders hätte der Film, im Nachhinein betrachtet, wohl auch gar nicht funktionieren können. Das liegt daran, dass die Kamera zum Freund wurde, zum Zuhörer und Tröster. Und durch diesen treuen Reisebegleiter, die Kamera, kann der Zuschauer die Leiden des jungen Filmemachers gebannt miterleben. Den Sonder-Preis „Alles Öko?!“ bekommt Maximilian Semsch nicht allein dafür, dass er eine alternative, ökologisch sinnvolle Art des Reisens dokumentiert, sondern vor
allem dafür, dass er einen Film geschaffen hat, der die Menschen zum Nachdenken über sich selbst und die Welt, in der er lebt anregt. Denn die Lösung unserer ökologischen Probleme hängt zu allererst von der Frage ab, wo und wie wir uns selbst in dieser Welt verorten. Dabei hilft uns Maximilian Semsch mit seiner Reise, mit seinem Film.

 

Lobende Erwähnungen


Spätvorstellung

Spätvorstellung ist ein in nahezu allen Bereichen professionell umgesetzter Film im Film zum Thema Verliebtheit. Der Jury gefiel besonders die gute Schauspielarbeit und Schauspielführung. Die dezenten aber ausdrucksstarken Mimiken sowie die Sparsamkeit am Dialog bauen hier die Spannung auf. Der Zuschauer erwartet förmlich den großen Moment, wann die Protagonisten nach all den Begegnungen sich endlich näher kommen. In Spätvorstellung erzählen definitiv die Bilder die Geschichte. Zu erwähnen ist darüber hinaus die unglaublich gelungene Lichtgestaltung innerhalb der durchdachten Bildkompositionen. Diese machen ein professionelles Kamerakonzept sichtbar. Ebenso die passende, nicht zu dominante Musikauswahl, rundet den Film ab. Auf Grund des technischen Problems der durchgehenden Bildunschärfe konnte jedoch kein Preis sondern nur eine lobende Erwähnung vergeben werden. Herzlichen Glückwunsch!

Was ist schön? Ein Dach über dem Kopf

Der Film hat der Jury besonders gut gefallen, da er sehr kurzweilig und technisch einwandfrei umgesetzt ist. Überzeugt hat vor allem, dass das Thema "Ein Dach über dem Kopf" einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet wurde. Die Interviewfragen waren sehr gut, weshalb man auf unterhaltsame Weise viel Neues erfahren hat. Vor allem so einfache und naive Fragen wie "Was kochst du" brachten Überraschendes zum Vorschein. Eine gelungene Geschichte von jungen Mädchen, die sehr selbstständig die Geschichte umsetzten. Herzlichen Glückwunsch.

 

Publikumspreis


Darüber hinaus kürte das Publikum den Film Spätvorstellung mit dem Publikumspreis.